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Daumen hoch, oder wie kommt man in Fahrt?  

Weißer Adler bei Tag...Weißer Adler bei NachtTrachenberger PlatzQuer über den PlatzTäglich alle Kollegen gegrüßt

Hat nicht schon jeder irgendwann einmal geträumt, wie es wohl wäre, auf großen Plakaten die Straßen säumen zu dürfen. Ich dachte immer, dieses Privileg haben nur Promis gemietet. Weit gefehlt! Mit etwas Glück wird auch ein einfacher Straßenbahnfahrer öffentlich, ohne sich selbst anbieten zu müssen.

Am  Anfang war ein Anruf aus dem Haus der Presse: Sie sind doch Abonnent  der „Sonntagszeitung“ war da zu hören und schon schrillten die Alarmglocken, denn ich denke dabei sofort an aufdringliche Telefonwerbung. Normalerweise würde ich solche Anrufer sofort abweisen, aber irgendetwas sagte zu mir: „Zuhören, Zuhören!“.

Wir suchen Leser der SZ- Sonntagszeitung die sich von einem  Fotografen für Werbeaufnahmen professionell fotografieren lassen würden. Wären sie bereit und hätten Lust dazu?

Professionell fotografieren zu lassen klingt gut (Wem passiert das schon?). Bestimmt wurde ich etwas verlegen, aber ich sagte: „Ja, wenn sie denken, dass ich dafür geeignet bin.“

Ich wurde zum Casting bestellt und ab sofort war helle Aufregung in meinem Leben. Die sonderlichsten Gedanken kreisten plötzlich im Kopf umher. Warum sollte man gerade mich nehmen? Schön wäre es schon! Was passiert, wenn? Na ja, erst mal rankommen lassen!

 Den ersten Termin hab ich sausen lassen, denn ich hätte zeitlich in meiner Dienstkleidung dort erscheinen müssen, wollte aber lieber zivil und vorbereitet  sein. Also saß ich zwei Tage später frisch gestilt  im Freizeitlook vor dem Castingbüro. Siehe da, ein Arbeitskollege stand auch schon da. Wer so alles Zeitung liest.

Das Büro ging auf, eine junge Dame sah sich kurz um und kam, warum auch immer, direkt auf mich zu und bat um ein Statement.

Was hat sie dazu bewogen, hier mitzumachen? Wo arbeiten sie? Ach, Straßenbahnfahrer, wie interessant! Hätten sie auch keine Probleme, plötzlich auf Werbeplakaten in der Öffentlichkeit zu  stehen?  Na, ich denke, da sind sie doch schon so gut wie genommen. Schön, den Fragebogen haben sie schon ausgefüllt! Sie werden dann aufgerufen! Ich danke ihnen!

Der Rest war eigentlich nur noch Formsache. Natürlich wollte man mich lieber in Uniform am Arbeitsplatz und nicht mit der Katze auf dem Sofa, obwohl man Letzteres auch in Erwägung zog. Privat wäre mir auf jeden Fall lieber gewesen, aber ein Straßenbahnfahrer in Uniform ist eben werbewirksamer. Schnell noch ein Foto von vorn und im Profil. Ich dachte dabei eher an Knast, aber eine Nummer musste ich dabei nicht halten. Die Fotografin wird sich morgen mit ihnen in Verbindung setzen. Wir bedanken uns. Auf  Wiedersehen. Der Nächste bitte!

Oje, worauf hatte ich mich hier bloß eingelassen? Ein Glücksgefühl und Angst vermischten sich plötzlich, aber da musste ich wohl nun durch!

Am nächsten Tag tat sich gar nichts und das darauffolgende Wochenende verging auch. Na, will man mich nun doch nicht? Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf. Denkste, plötzlich klingelt das Telefon und die Fotografin meldet sich. Mit der Werbeabteilung der DVB ist alles abgesprochen. In zwei Tagen vereinbarten wir den Fototermin im Betriebshof Gorbitz.

Plötzlich wird man immer steifer, das Herz schlägt schneller. Lampenfieber nennt man so was, glaube ich! 

Mein Chef ist in heller Aufregung. Warum denkt er auch, die Dame würde ihre Fotos schnell mal an der Endhaltestelle „knipsen“? Diese Vorstellung und vor allem das Wort „Knipsen“ muss die Fotografin wohl schon in Fahrt gebracht  haben. Auf jeden Fall wurde ein ganzer Film mit mindestens vier Einstellungen für eine Aufnahme belichtet und Alles läuft prima. Sie sind ja richtig gut! Das geht runter wie Öl. zum Schluss noch ein Toi, toi, toi auf die Filmkassette, eine Unterschrift auf den Vertrag und ich war ausgeliefert.

Nach ein paar Tagen klingelt wieder das Telefon. Wir haben Ihr Foto jetzt soweit bearbeitet und möchten nur noch wissen, ob sie sich mit dem Text. „......weil sie auch mal eingefahrene Gleise verlässt“ einverstanden sind? Ansonsten müsste sich unser Texter noch etwas Neues einfallen lassen.

Ich fand diese Worte in Verbindung mit meinem beruflichen Umfeld sehr missverständlich, denn in eingefahrenen Gleisen bewegen wir uns wirklich nicht mehr. Provozieren wollte ich mein Unternehmen auch nicht, denn immerhin will ich dort noch eine Weile meine Brötchen verdienen. Also Ablehnung! Außerdem hatte ich mir etwas Lustigeres vorgestellt. Man entschied sich dann für meine eigenen Worte mit denen ich mich identifizieren konnte und fand sie ganz toll.

Nun warten auf den 17. Februar! Lampenfieber kommt wieder auf. Freude und Angst vermischen sich. Ein unglaubliches Gefühl, denn nun wird mir erst einmal bewusst, worauf ich mich einlasse. Was werden Verwandte, Bekannte und vor allem Kollegen dazu sagen? Ich glaube das wird peinlich! Hoffentlich denkt niemand, dass ich jetzt durchgeknallt bin! Trotzdem ein irres Gefühl. Probleme treten in den Hintergrund und du lebst in der Gegenwart bis alles wieder vorbei ist.

Am Tag der Premiere arbeiten die Plakatierer und ich schaue auf jeden Werbeträger in der Stadt. Kann man dabei überhaupt arbeiten? Ich sehe bestimmt alle 39 anderen Motive, aber mein eigenes ist nicht dabei. Soll ich mich jetzt ärgern oder besser froh sein? Ein Wechselbad der Gefühle!

Zu Mittag die erste Information einer Kollegin: „Ich hab dich doch gerade am „Weißen Adler“ gesehen!“ Na, denke ich, wenigstens an einer Stelle hat man dich angebracht. Dort kennen dich zum Glück (oder leider) nicht so viele Leute und so wird sich die Aufregung wohl in Grenzen halten. Wie wird es aber aussehen? Ich hatte es ja noch nie gesehen.Am Abend bin ich dann mit dem Auto nach Bühlau gefahren. Mein erster Eindruck war entsetzlich. Was ich da mit Hintergrundbeleuchtung sah, war einfach schrecklich. Ich hatte mich doch zur Fotosession extra supergründlich rasiert. Hier sah ich durch die enorme Vergrößerung einen stoppeligen Dreitagebart. Gott, war ich erst mal  froh, nicht auf dem Altmarkt gelandet zu sein.

Auf dem Heimweg kam ich am Trachenberger Platz vorbei und von nun an wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte. Dort grinste ich über den ganzen Platz, vor allem wenn alle meine Chefs und Kollegen zum Dienst gingen. Sollte ich lachen, oder heulen?

Alles war nicht so schlimm, man ließ mich hochleben, freute sich oder redete nicht darüber. Vor allem wollte jeder wissen, was ich für Kohle bekommen habe und ob ich nun reich bin.

Komisch, an Geld hatte ich dabei selbst noch gar nicht gedacht und bin der Meinung, dass der Spaß, die Freude und die ganze Erfahrung eigentlich lohnender sind, als alles Geld der Welt, besonders wenn man so etwas noch nie erleben durfte. Als Profi würde ich vielleicht anders darüber denken, aber in meinem Falle ist das schon o.k.. Ich würde es wieder tun und wünsche allen das gleiche Glück, diese einmalige Erfahrung sammeln zu können.

In der gleichen Woche fand ich mich noch am „Zelleschen Weg“, an der „Bergstraße“, vor dem Arbeitsamt und am „Altenberger Platz“ wieder. Nach einer Woche war alles vorbei, dachte ich und war doch etwas traurig, nur Stadtrandmodell gewesen zu sein.

Zellescher WegAltenberger PlatzBushaltestelle Altenberger Platzbin ich's wirklich?
Bergstraße War wohl nur Zufall, oder Absicht? Ich weiß es nicht und es ist nach der zweiten Staffel, die am 02. März begann, überhaupt nicht mehr wichtig. Alle Befürchtungen wurden war, der Altmarkt rief und die gesamte Innenstadt war mein Revier. Die meisten Menschen waren plötzlich freundlich, lachten mich an und einige fanden das Original sogar besser als die Kopie. Apahatschi!

Wilsdruffer StraßePirnaischer PlatzGewandhausstraße vorm RathausPrager StraßeKommentar: Das Original ist doch besser!

Hoffentlich erkennt mich Keiner...HauptstraßeIn illustrer GesellschaftDas OriginalNächtliche BOYBOX-Pilgerfahrt zum Altmarkt

Es hat viel Spaß gemacht. Ich war selten so glücklich! Sollte man dafür auch noch Geld verlangen? Könnte man das überhaupt bezahlen? Ich glaube es nicht!

Wächter des Stammtischlokals

Ich lese SZ AM SONNTAG ...
weil ich auch am Sonntag so richtig in Fahrt kommen will!

 

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