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Ich habe gar nicht mehr viel Zeit…

Aber ich will Euch doch noch von mir erzählen. Also, ich bin Wilie, eine blaue Perser-Mix-Dame. Ich wurde am 10. Mai 1994 in Thüringen geboren und meine Züchter haben mich als Kater verkauft. Die waren ja dumm! Dadurch kam ich zu meinem Namen Willy. Naja, meine Herrchen haben gleich gemerkt, dass ich ein Mädchen bin und haben meinen Namen dann etwas amerikanisiert – wir hatten uns ja alle schon an den Namen gewöhnt und ich habe schnell auf ihn gehört. Zu meinen Herrchen bin ich erst auf Umwegen gekommen, aber das ist eine Geschichte für sich. Meine Herrchen versorgen mich gut, das habe ich ihnen ganz schnell beigebracht. Das blonde Herrchen kümmert sich immer um mein Futter und das große Herrchen räumt dann meine Hinterlassenschaften weg. Das klappt!

Mein erstes Zuhause war eine Neubauwohnung. Zwar hatte ich dort einen großen Balkon, aber leider war die Brüstung verkleidet, so dass ich nicht auf die Straße sehen konnte. Aber trotzdem war es immer schön an der frischen Luft. Weil ich die frische Luft natürlich auch im Winter genießen wollte, haben mir meine Herrchen eine kleine Glocke an der Tür angebracht, so dass ich genau sagen konnte, wenn die Tür aufgehen sollte. Die armen haben ja nicht so ein schönes warmes Fell und mussten die Tür immer wieder schließen, damit sie nicht frieren mussten. Manchmal waren sie zwar etwas genervt, weil ich nach fünf Minuten schon wieder geklingelt habe, aber es konnte ja inzwischen wieder die Frühlingssonne scheinen! Ich gebe zu, dass ich da manchmal etwas ungeduldig war… Irgendwie war uns die Wohnung auch zu klein und ich habe lange daran gearbeitet, eine größere Wohnung zu suchen. Meine Herrchen haben schnell gemerkt, warum ich immer die Tapete zerkratzt habe. Mit fünf Jahren war ich da auch schon ganz schön selbstbewusst.

Ich muss erstmal etwas trinken, in letzter Zeit habe ich immer großen Durst, weil meine Nieren nicht mehr richtig funktionieren wollen. Mittlerweile bin ich ja auch schon 15 Jahre alt.

Also zurück zur Wohnungssuche. Ich wollte ja nur etwas mehr Platz und vielleicht einen Balkon, von dem ich auch etwas sehen konnte! Alles andere war mir egal, meine Herrchen hatten mir das Leben auch damals schon sehr gut eingerichtet. Sie hatten mir einen großen Kratzbaum gekauft, auf dem ich ganz oben unter der Zimmerdecke den besten Überblick hatte. Und obwohl ich mir immer die Krallen daran abgekratzt habe, mussten sie mir ab und zu die Krallen noch verschneiden. Das kann ich bis heute nicht leiden! Es ist ja nicht so, dass es weh tut. Aber die Beiden halten mich dabei fest! Das geht bei stolzen Katzen doch überhaupt nicht! Hauptsache also, der Kratzbaum kommt auch mit. Die Nagelschere muss ich irgendwo verstecken.

Dann kam der große Tag. Ich musste zum Onkel Dietrich in Pension. Dabei hätte ich gerne mitgetragen und eingeräumt. Meine Herrchen haben wohl gedacht, ich will sie stören, dabei wollte ich doch bloß alles für mein Leben lernen! Meine Katzenmama hatte mir ja schon viel beigebracht, aber man kann nie neugierig genug sein. Na gut, vielleicht wäre der Umzug doch zu aufregend für mich geworden, denn über die neue Wohnung habe ich mich sehr gefreut! Wir haben dort zwei Balkone! Und beide haben Stäbe, durch die ich auf der einen Seite die Straße im Überblick habe und auf der anderen Seite das Geschehen im Hof beobachten kann. Das ist herrlich und ich habe mir schnell einen Lieblingsplatz unter der Hollywoodschaukel eingerichtet. Meine Herrchen haben mir auch ein schönes Sofa gebaut mit einer Auflage aus Styropor – da lässt es sich noch besser kratzen als am Kratzbaum. Ich kann ja nicht dafür, dass die kleinen Kügelchen dann immer an den Haarbüscheln zwischen meinen Zehen hängen bleiben und ich sie dann in der Wohnung verteile. Neben der Schaukel steht ein Baum in einem Topf, darin lässt es sich auch herrlich dösen, wenn die Sonne warm herunter scheint. Nur mein Glöckchen konnte nicht wieder angeschraubt werden, weil die Türen aus Plastik sind. Da muss ich jetzt eben immer laut miauen, wenn die Tür aufgehen soll. Aber alle anderen Türen lassen meine Herrchen ja immer auf, so dass ich mal nicht meckern will. Ich glaube nämlich, meine Herrchen haben mich sehr gerne und machen sich sehr viel Gedanken um mich. Dabei kann ich doch ganz gut alleine auf mich aufpassen und wenn die Beiden auf Arbeit sind, probiere ich sowieso aus, wie es sich auf dem verbotenen Tisch sitzt und schaue mir an, was sie unter dem Bett versteckt haben. Naja, ich mag die Beiden ja auch und manchmal muss ich sie dafür auch ein kleines bisschen in die Nase beißen, wie das unter Katzen üblich ist. Ich hoffe, sie verstehen das richtig. Dass ich ihnen die Haare ablecken muss, um unseren Familiengeruch auf alle zu verteilen, haben sie jedenfalls ziemlich schnell begriffen und akzeptiert. Das ist auch immer eine gute Gelegenheit, sie am Wochenende zu wecken. Schließlich bin ich es gewohnt, mich hinlegen zu können. wenn sie aufgestanden sind. Und am Wochenende muss ich da manchmal lange warten! Dafür bleiben sie dann bei mir und nehmen sich auch Zeit, um mit mir zu spielen. Aber am Montag wird es dann Zeit, dass wieder Ruhe einzieht und die Beiden wieder arbeiten gehen. Als mein blondes Herrchen sich mal die Hand gebrochen hatte, war er mehr als drei Monate zu Hause, das wurde mir dann doch etwas zu viel! Da habe ich mich an die alte Wohnung erinnert und wie ich dort meinen Willen durchgesetzt habe und habe mal etwas an der Tapete gekratzt. Das hat er ganz schnell kapiert und ist wieder arbeiten gegangen. Schließlich muss ja auch das Geld für mein Futter verdient werden! Bei den Getränken begnüge ich mich ja schon immer mit Wasser. Milch mag ich nicht und so künstlich zusammen gerührte Katzenmilch ist auch nicht wirklich typisch für Katzen. Aber das Futter darf schon etwas besonderes sein. Zum Glück hat das meinen Herrchen auch mal ein verständnisvoller Verkäufer gesagt und seit dem gibt es nur feines Trockenfutter für glückliche Katzen. Das schmeckt! Aber entschuldigt mal kurz, ich muss noch mal etwas trinken. Wenigstens einen kleinen Schluck…

Der Weg zur Wasserschüssel fällt mir schon etwas schwer, wie gesagt, ich bin nicht mehr die jüngste Katze. Und ich habe doch nun auch wirklich nicht mehr viel Zeit…

In der neuen Wohnung gab es dann auch Nachbarn, die sich um mich kümmerten, wenn meine Herrchen mal längere Zeit nicht nach Hause kamen. Tante Andrea hat mich immer ganz lieb versorgt. Onkel Jürgen hatte wohl noch niemand gesagt, dass man mit Katzen immer ganz leise reden muss. Da habe ich mich dann einfach in meiner hintersten Schrankecke verkrochen und gewartet, bis meine Herrchen wieder zur Tür herein kamen. Manchmal wurde mir die Zeit schon etwas lang und ich wollte mit ihnen nach ihrer Rückkehr schimpfen. Das habe ich aber dann doch nie gemacht. Ich brauchte ja nun nicht mehr wie früher in Pension. Lustig war es ja bei Onkel Olaf mit seinem glatten Fußboden gewesen. Da konnte man schön über den Korridor rutschen… Aber er hatte ja dann auch eine Katze und ich bin doch nicht verträglich mit anderen Katzen. Wie jedes ordentliche Katzenkind bin ich ja zwar mit meinen Geschwistern aufgewachsen, aber dann habe ich mich doch zu einer Einzelgängerin entwickelt. Wenn man als Wohnungskatze lebt, ist das ja auch kein Wunder. Manchmal träume ich noch von meiner Katzenmama und von ihrem weichen Fell, von der Wärme, die von ihr ausging. Aber ich habe ja guten Ersatz gefunden!

Vor zwei Jahren haben mir meine Herrchen eine große Überraschung gemacht: sie haben mir einen Garten gekauft! Ich hatte ja schon etwas geahnt und sie haben mir auch davon erzählt. Das war eine Aufregung, als ich das erste Mal mit dorthin durfte! Ich stamme ja von einem Bauernhof, aber so schön war es dort nicht! Im Garten gibt es auch ein großes Katzenhaus und ich lasse gerne meine Herrchen auch hier bei mir wohnen. Schließlich brauche ich ja immer meine Bediensteten… Das Haus habe ich ganz schnell in meinen Besitz genommen, erst vorsichtig überall umgeschaut und dann meinen Rücken an allen Ecken und Möbeln gerieben. Natürlich wollte ich auch mein neues Reich draußen ansehen. Das war aber nicht ganz einfach, denn ich wurde am Anfang an einem Halsband angebunden. Aber so hatte ich immer die Verbindung zum Haus und zu meinen Herrchen. Ich habe mir schnell Lieblingsplätze auserkoren. Einer davon ist auf der Terrasse auf dem Stuhl mit dem blauen Kissen. Aber nicht mit allen Plätzen waren meine Herrchen wirklich einverstanden. Vor allem frisch gewaschener Wäsche konnte ich nie widerstehen, die musste doch schnell unseren Familiengeruch annehmen! Manchmal habe ich auch mit meinen Herrchen Fangen gespielt. Ich habe drinnen an der Tür gewartet, bis sie aufging und bin dann ganz schnell hinausgehuscht. Mein großes Herrchen kam dann immer hinter mir her gerannt und ich bin schnell ums Haus und zur Tür wieder hinein. Das war ein Gaudi! Denken die wirklich, ich würde mein Zuhause hergeben? Die Beiden haben dann wohl doch gemerkt, dass ich ihnen treu bin und in diesem Jahr durfte ich ohne Halsband in die Freiheit! Wenn sie mal nicht in der Nähe waren, bin ich dann auch etwas weiter spazieren gegangen. Mal zur Nachbarin und manchmal auch noch weiter. Es gab doch so viel zu entdecken! Auch andere Katzen habe ich hier kennengelernt: Felix, ein schwarz-weißer Kater und dann noch diese große Katzen-Cousine. Mit denen habe ich mich aber nicht angefreundet, ich hatte ja schon meine Familie! Aber im Großen und Ganzen bin ich auch im Garten in der Nähe meiner Herrchen geblieben. Es ist schon gut, wenn man Beschützer in der Nähe hat.

Jetzt halte ich wirklich nicht mehr lange aus, mein Körper wird immer schwächer…

Wie schnell ist nur die Zeit vergangen. Gerade war ich noch ein kleines Katzenmädchen und habe mit meinen Geschwistern bei der Katzenmama im Korb gelegen, habe mit ihnen herumgetobt. Gerade habe ich meine neue Familie kennengelernt, gerade habe ich mir meinen Lieblingsplatz auf dem Gartenstuhl erobert... Auf dem liege ich jetzt auch, aber mein großes Herrchen musste mich hochheben, weil ich keine Kraft mehr zum hinaufspringen hatte. So kann ich noch ein Mal mein Reich ansehen... 15 lange Katzenjahre liegen hinter mir! Ich habe mir nie Gedanken gemacht, welchen Sinn mein Leben hatte und welche Aufgaben ich zu erfüllen hatte. Tiere machen sich nicht solche unnützen Gedanken. Ich war einfach da.

Aber jetzt will ich nicht mehr in die Vergangenheit schauen. Noch ein Mal meine Herrchen ansehen, für ein lautes Miau reicht die Kraft schon nicht mehr… Wisst Ihr was, ich fasse mir jetzt ein Herz und laufe einfach los… Über die Terrasse – dort drüben unter dem Baum habe ich immer in der Nachmittagssonne gedöst – über die Wiese – Hallo Schmetterling, keine Angst, heute kann ich nicht mit Dir spielen, keine Zeit mehr! – denn dort hinten, wo es so hell ist, sitzt dort nicht ... wartet dort nicht meine Katzenmama? Holt sie mich ab? DA IST JA ALLES GUT!

Zwei Wochen später

Mit dem letzten Sommertag dieses Jahres, am 02. September 2009, hat uns unsere Wilie-Katze verlassen und mein Leben ist seitdem völlig aus den Fugen. Wie schafft es so ein kleines Tier, dass man beim Streicheln dieses weichen Felles den ganzen großen täglichen Weltschmerz vergisst, ohne ein Wort sagen zu müssen. Sie war einfach nur da! Ich kam heim, ein lautes „Miau“ (manchmal hieß es ja auch nur „Lass mich endlich raus…“), streicheln, schnurren, spielen – und die Welt war in Ordnung.

Fünfzehn Jahre lang war sie uns ein wichtiger Lebensinhalt und eine immer treue Begleiterin. Sie hat uns viel Freude gemacht und die zerkratzte Tapete haben wir doch schon lange vergessen. Sie fehlt uns und wir sind sehr traurig.

Warum haben wir nicht eher erkannt, dass sie krank war? Hätte man ihr überhaupt helfen können? Hat sie sich wohl gefühlt bei uns? Fühlen Tiere, dass das Leben zu Ende geht, oder haben sie nur Angst? Hat es ihr geholfen, dass wir in ihren letzten Stunden bei ihr waren? Es bleiben so viele Fragen, die mich noch lange begleiten werden.

Als die letzen Nervenzuckungen ihre kleinen Beinchen noch mal zappeln ließen, habe ich gesagt: „Jetzt renne los Wilie, renne über die Wiese bis in den Katzenhimmel…“

Jetzt verschwindet sie mehr und mehr. Die Bilder verblassen. Sie kommt nicht mehr auf die Terrasse, scheu um die Ecke blickend, ob auch alles in Ordnung ist. Auch auf ihrem Kissen sitzt sie nun nicht mehr. In den ersten Nächten nach ihrem Tod sind wir aus dem Schlaf geschreckt, weil wir sie ins Bett springen hörten. Die Geräusche, wenn sie in ihren Korb hinein stieg, wenn sie ihr Trockenfutter knabberte, wenn sie in ihrer Katzentoilette scharrte- ich habe sie nicht mehr im Ohr. Ich brachte es am Anfang nicht fertig, abends die Tür zu schließen, ohne wie früher zu sagen: „Komm rein, Wilie.“ Jetzt weiß ich, sie will nicht mehr hereinkommen…

Ach Wilie (Micke, Maus, Eule, Ratte, Schatzilein, Katze und welche Namen Du noch immer hattest): wenn wir heute wissen, dass es im Leben viel wichtigere und wertvollere Dinge gibt, als allen Besitz dieser Welt, dann hast auch Du einen großen Anteil daran. Du hast damit in Deinen 15 Katzenjahren mehr geleistet als mancher Mensch in seinem langen Menschenleben. Und sollte nur dies der Sinn Deines Katzenlebens gewesen sein: allein dafür hast Du Dir einen Ehrenplatz im Katzenhimmel verdient.

Ist jetzt wirklich ALLES GUT?

 

 

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